Das Programm 2022

Schmetterlinge im Ohr

UNGLAUBLICH, WIE DIE

WELT KLINGEN KANN!

EINE KOMÖDIE UND EINE

LIEBESGESCHICHTE

MIT GROSSER ELEGANZ

UND ZÄRTLICHEM SINN

FüR DEN ZAUBER DER

WIRKLICHKEIT.

 

Regie & Buch: Pascal Elbé 
 

mit Sandrine Kiberlain, Pascal Elbé,

Valérie Donzelli, Emmanuelle Devos,

François Berléand, Marthe Villalonga

Frankreich / Deutsche Synchronfassung

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Foto: Neue Visionen Filmverleih

Im Grunde ist Antoine, Geschichtslehrer in Frankreich, fast taub, so wenig hört er die anderen. Er hält das aber für normal. Was Menschen eben so für normal halten. Mit dem neuen Hörgerät staunt er nicht schlecht. Unglaublich, wie die Welt klingen kann! Wobei sein schlechtes Hören ihn auch prächtig geschützt hat bisher vor der Welt. So aber schreien die Möwen und das Meer singt geradezu. Und weil das Hören auch die Verbindung mit den Mitmenschen garantiert, entsteht – leicht, komödiantisch und weit hinten ein bisschen ernst – eine schöne Liebesgeschichte mit der nicht weniger verschlossenen Nachbarin Claire, verwitwete Mutter, deren Tochter verstummte als der Vater starb. Antoine und Claire gehen essen und weil ihn das Hörgerät nervt, wird es wirklich komisch gelegentlich. Die Tochter muss zurück in die Welt, er sowieso und Claire von nebenan erst Recht. Zwei tolle Schauspieler, ein großartiges Drehbuch, ein Film, der mit dem Hören auch ein wichtiges Element des Kinos feiert, ein wirklicher Genuss, dieser Film – mit einem großartigen gepatchworktem Happy End mit Oma am Strand … (MK)

À la Carte! — Freiheit geht durch den Magen

AUCH DIE FREIHEIT GEHT DURCH DEN MAGEN. VON DER ERFINDUNG DES RESTAURANTS DURCH DIE FRANZÖSISCHE REVOLUTION.

KOMPONIERTES SCHWELGEN IN BILDERN – ALS WÄREN AUCH SIE ZUM ESSEN GEDACHT.

Regie: Éric Besnard

Buch: Éric Besnard, Nicolas Boukhrief


mit Grégory Gadebois, Isabelle Carré,

Benjamin Lavernhe, Guillaume de Tonquédec, Christian Bouillette, Lorenzo Lefèbvre,

Marie-Julie Baup, Laurent Bateau

 

Frankreich / Deutsche Synchronfassung

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Foto: Neue Visionen Filmverleih

1789 In Paris wird bald die Revolution ausbrechen. Aber hier auf dem Land setzt der vornehme Herzog de Chamfort seinen begnadeten Koch auf die Straße, irgendwie zum Spaß, in einer wunderbaren Szene schönster Dekadenz. Und was macht der jetzt? Er geht zurück zum Bauernhof seines Vaters. Und weil dort immer die Kutschen halten, wird Manceron schließlich das erste Restaurant der Welt eröffnen. Eine geheimnisvolle Schöne taucht auf, auch sie aus der Bahn geworfen. Louise will die Kunst des Kochens lernen. Sie muss erst ein Stück Walnuss, einen Champignon, ein Blatt Minze, ein Stück Rote Beete probieren und dazu die Augen geschlossen halten. Großartig, wie dann mit den ersten Gästen auch die bevorstehende Revolution in der Hauptstadt sozusagen nur vorbeikommt, in kleinen Bemerkungen nämlich der Durchreisenden. Erstklassige Bilder, großartige Szenen, gedreht mit demselben hohen Stilbewusstsein, das die französische Küche ausmacht. Warum entsteht also das erste Restaurant? Aus Trotz. Der Adel findet, das Volk müsse nicht gut essen, aber die neue Gastlichkeit für alle – die ist so wenig aufzuhalten wie die Revolution. (MK)

Gaza Mon Amour

ROMANTISCHE KOMÖDIE MIT CHECKPOINTS UND RAKETEN. VON DER NEUEN LIEBE EINES ALTEN FISCHERS IM EWIGEN KRISENGEBIET. ER WILL SIE UND ER KRIEGT SIE. DENN DIE LIEBE IST STÄRKER ALS DER KRIEG.

Regie: Arab Nasser, Tarzan Nasser

Buch: Arab Nasser, Tarzan Nasser,

Fadette Drouard (Co-Autorin)
 

mit Salim Daw, Hiam Abbass,

Maisa Abd Elhadi, Ibrahim Altoubat,

Ruala Abd Elhadi
 

Palästina, Frankreich, Deutschland, Portugal /
Deutsche Synchronfassung

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Foto: Alamode Film

Er will sie, der alte Fischer Issa, die Frau, die er Tag für Tag geduldig beobachtet – wie mit einer vorgezogenen, bestimmt nie enden wollenden Treue. Sie ist Schneiderin und täglich fährt sie an ihm vorbei zur Arbeit. Verschlossen wirkt sie, Siham, vom Leben gezeichnet. So wie alle hier. Armut, Stromausfälle, die Repression der eigenen Regierung, der Hamas, die Raketenangriffe der anderen. Geht das? Kann man hier nicht nur leben, sondern auch lieben? Zäh darauf bestehen, dass dieses Leben lebenswert sein müsse, trotz allem? Die Brüder Arab und Tarzan Nasser, junge Arthouse- Kinokünstler von heute, zeichnen in ihrem wunderbaren Film mitten im Elend eine schöne stille Poesie des verhaltenen Glücks. Palästinensisches Weltkino. In der weiblichen Hauptrolle der Star der Kinowelt, Hiam Abbass. Ein Film voller Leichtigkeit und Witz, vor allem aber ein Werk des Träumens von einer besseren Welt, und zwar mitten in der realen. Heimlich großes Kino sozusagen. Mitten in Gaza. Ein Schelm ist er auch, dieser Issa, den übrigens Salim Daw spielt, ein Israeli mit arabischen Wurzeln … (MK)

Contra

„PRÄZISE UND GEWÄHLT, SCHNEIDIG UND SIEGESSICHER” – SO MÜSSEN SIE SPRECHEN, SAGT DER PROFESSOR UND SCHULT NAIMA HAMID IN DER KUNST DER REDE. BIS SIE AM ENDE UMGEKEHRT IHREN PROFESSOR RETTET – IN DEM GROSSARTIGSTEN STÜCK RHETORIK, DAS SIE JE GEHÖRT HABEN ...

 

— NOMINIERT FÜR DEN

DEUTSCHEN FILMPREIS 2022 —
 

Regie: Sönke Wortmann

Buch: Doron Wisotzky


mit Nilam Farooq, Christoph Maria

Herbst, Hassan Akkouch, Ernst

Stötzner, Meriam Abbas, Mohamed

Issa, Stefan Gorski, Lieke Hoppe


Deutschland / Deutsche Synchronfassung

Dieser Film ist dank der GRETA APP barrierefrei. Weitere Informationen finden Sie unter www.gretaundstarks.de

 

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Foto: Constantin Film

Voller Hörsaal. Eine kommt zu spät, eine junge Studentin mit Migrationshintergrund. Der Herr Professor stellt sie zur Rede, sie bleibt standhaft. Er glänzt rhetorisch in höchstem Sarkasmus, aber er verhaut sich, gerät in Schwierigkeiten wegen rassistischer Diskriminierung. Einziger Ausweg: Tätige Reue. Er muss zum Ausgleich ihr Mentor werden, sagt die Direktion, ausgerechnet. Also schult er sie in Rhetorik, der Kunst, immer Recht zu haben. Das passt so gar nicht zu ihrem Lebensalltag als Migrantin, wo der Bruder und seine Clique gar nicht funktionieren, verhaftet wegen illegalem Waffenbesitz. „Wenn´s dich übertrieben weiterbringt mit dem Studium“, sagt der zu seiner Schwester. Man ahnt: Ihr Einzug ins Bürgertum wird so gelingen wie dereinst in „My Fair Lady“ von 1964. Nur ganz anders. Angemeldet zu einem nationalen Debattierwettbewerb, glänzt die Studentin schon in der Vorrunde in Heidelberg. Aber was sie dann hinlegt, und zwar um nunmehr ihren Professor zu retten, das ist meisterhaft. Das Finale ist zum Weinen gut. Was für ein Buch! Was für ein Film! (MK)

Wanda, mein Wunder

ZÜRICHSEE. VILLA MIT BOOTSSTEG, DAHINTER DIE BERGE. „SOLLEN WIR NICHT EINE POLIN HOLEN?”, FRAGT SICH DIE FAMILIE, DENN IHR OBERHAUPT IST ALT UND BETTLÄGERIG. UND SIE KOMMT: „WANDA, DAS WUNDER.” UND DAS IN EINEM WUNDERSCHÖNEN FILM!


Regie: Bettina Oberli

Buch: Cooky Ziesche, Bettina Oberli


mit Agnieszka Grochowska, Marthe

Keller, André Jung, Birgit Minichmayr,

Jacob Matschenz, Anatole Taubman,

Cezary Pazura, Agata Rzeszewska


Schweiz / Deutsche Originalfassung

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Foto: Zodiac Pic. Ltd 2020

Wanda wird zum "guten Geist" des Hauses, stets zu Diensten. Auch dem alten Herrn, bei dem die Erotik erwacht. Drei Mal wird Wanda nach einem Besuch zu Hause in Polen, wo ihre kleinen Kinder leben, wieder zurückkehren zur Villa am See. Beim zweiten Mal ist sie schwanger. Die Frau des Hauses wahrt die Fasson. Nein, es ist kein Sozialdrama über die Not dieser Arbeitskräfte. Es ist das Porträt einer bürgerlichen Familie, in der die Tochter an ihrer Karriere erstickt, der Sohn an seiner Sammlung ausgestopfter Wildvögel und dieser halbtote Alte sich allen Ernstes frisch verliebt in Wanda. Deren Bauch ist beim dritten Besuch schon ziemlich groß. Und jetzt ist auch ihre Familie aus Polen mitgekommen (und aus Gründen der Ironie mit einer Kuh!) und der Streit um das Baby kann beginnen. Agnieszka Grochowska glänzt in der Rolle der Wanda, Birgit Minichmayr ist geradezu großartig verklemmt. Die Schweizer Regisseurin Bettina Oberli hat nach dem Buch von Cooky Ziesche ein wirklich glänzendes Werk hingelegt mit einer wunderschönen Poesie und ohne jeden Anflug von Kitsch, trotz Happy End … (MK)

Spencer

LADY DIANA, GEBORENE SPENCER, KURVT ALLEIN IM CABRIOLET DURCH DIE WINTERLANDSCHAFT ENGLANDS. DIE QUEEN HAT ZUR WEIHNACHTSFEIER GELADEN. SIE WIRD ZU SPÄT KOMMEN. ABER SIE MAG SOWIESO NICHT MEHR …

 

— NOMINIERT FÜR DEN
DEUTSCHEN FILMPREIS 2022 — 

 

Regie: Pablo Larraín

Buch: Steven Knight


mit Kristen Stewart, Timothy Spall,

Sally Hawkins, Sean Harris, Jack Farthing


Deutschland, Großbritannien, Chile /
Deutsche Synchronfassung

Dieser Film ist dank der GRETA APP barrierefrei.  Weitere Informationen finden Sie unter www.gretaundstarks.de

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Foto: Pablo Larra n / DCM

Sie wollte sie selbst bleiben, sagt dieser eigenwillige Film. Weihnachten bei der Queen, aber Lady Di zerreißt über der Suppe bei Tisch ihre Kette und ebenso psychotisch macht sie ihre zwei Kinder zu Verbündeten, ganz sicher, dass alle bei Hof sich gegen sie verschworen haben. Denkt sie das oder war es so? Heimlich führt sie ein Gespräch mit dem Küchenchef, der ihr verrät, alle hier im Haus wünschten sich, dass sie durchhalte. Aber ist der neue Chefbutler, ein Ex-Militär, nicht in Wahrheit ihr Aufpasser? „Niemand ist wichtiger als die Tradition“, sagt er. Lady Diana fühlt sich verfolgt, unklar, ob zu Recht oder nicht. Die verwundete Seele einer rätselhaften Frau ist das Thema und die wahrhaft großartige Kristen Stewart trägt diese Seele Dianas auf ihrem Gesicht. Es waren diese zwei Tage, in denen bei der echten Diana die Entscheidung reifte, auszusteigen und Prinz Charles zu verlassen. Aber wer mit diesem Film endlich erfahren will, wie es denn nun wirklich und in Wahrheit gewesen ist, der darf lernen, wie nebensächlich Tatsachen sein können und wie tatsächlich die Seele ist. (MK)

Das Licht, aus dem die Träume sind

DAS BILD VON EINEM WEITEN HIMMEL MIT EINEM FERNEN FLUGZEUG UND VOR UNS DIE FARBIGEN TÜCHER IM WIND, DIE UM DIE MUTTER HERUMFLATTERN. KINO IN REINFORM.
 

Regie & Buch: Pan Nalin


mit Bhavin Rabari, Bhavesh Shrimali,

Richa Meena, Dipen Raval
 

Indien, Frankreich /
Deutsche Synchronfassung

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Foto: Neue Visionen Filmverleih

Der kleine Samay darf zum ersten Mal in ein Kino gehen, obwohl Papa dagegen ist: Die Filmwelt sei ohne Tugend, sagt er. Aber Samay ist vollkommen gefangen von diesem Zauber, in eine fremde Welt entführt zu werden. Er wird die Schule schwänzen und täglich im Dorfkino neben dem Vorführer verschwinden, um als Erwachsener das zu tun, was unvermeidbar ist – als Filmregisseur das Licht einfangen und die Bilder in Bewegung setzen, wie er erzählt. Wir sind in Indien, wo sonst, machen eine Reise aufs Land, in die Region Gujarat. Eine Gruppe von Kindern versteckt sich im Gras, drüben macht eine Gruppe von Löwen dasselbe. (Unser Kino.) Dann soll das Kino vor Ort geschlossen werden, „Last Film Show“ heißt der Film im Original. Aber der 9-Jährige will es sich nicht nehmen lassen. Weshalb Sie nicht verpassen sollten, wie er und seine Freunde das machen – in der Poesie der Improvisation sich ein Kino selber bauen, mit dem ganzen Zauber der Schattenbilder auf dem Bettlaken im Wind. Da wird sogar Papa weich und der kleine Samay darf später Filmregisseur werden – für das Licht, aus dem die Träume sind. (MK)

Lieber Thomas

„WO ICH BIN, WILL ICH NICHT BLEIBEN – BLEIBEN WILL ICH, WO ICH NIE GEWESEN BIN.” – THOMAS BRASCH. EIN FILM ALS NACHERZÄHLUNG EINER AUSSERGEWÖHNLICHEN PERSÖNLICHKEIT, WIE DIE INKARNATION DES KÜNSTLERS AN SICH. UND EIN BLICK ZURÜCK IN DIE DDR.

 

— NOMINIERT FÜR DEN
DEUTSCHEN FILMPREIS 2022 — 

 

Regie: Andreas Kleinert

Buch: Thomas Wendrich


mit Albrecht Schuch, Jella Haase,

Peter Kremer, Claudio Magno,

Jörg Schüttauf, Anja Schneider,

Joel Basman, Ioana Iacob,

Emma Bading, Luisa-Céline Gaffron


Deutschland /
Deutsche Originalfassung

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Foto: Zeitsprung Pictures / Wild Bunch Germany (Foto: Peter Hartwig)

Er war ein Rebell aus Gründen der Integrität, geprägt von der DDR als einem Land der organisierten Unfreiheit. Seine Lebensgeschichte, dort und dann im Westen. Der Vater ist staatstragender Bürger der DDR, sein Sohn ein Träumer, ein Getriebener, einer, der Nein sagt, ohne die Folgen zu bedenken. Als 1968 die Panzer durch Prag rollen, wirft er Flugblätter und landet im Gefängnis. Auf Bewährung arbeitet Thomas Brasch (Albrecht Schuch, Peter Kremer) in einer Fabrik und schreibt Gedichte, aber kann sich nicht arrangieren mit dem Regime. Er geht in den Westen, mit seiner Freundin – und das war Katharina Thalbach (Jella Haase). Dort wird er bejubelt und darf Filme drehen. Aber er ist nicht zufrieden, nie und niemals. Denn sein Stolz verbietet ihm jede Art von Arrangement. Kompromisslos soll es sein, sein Leben. Jede Form der Anpassung ist ausgeschlossen. Es ist auch das Porträt eines Mannes, der nicht mit sich zurechtkam. Diese Ambivalenz macht das Großartige des Films aus, realisiert von Andreas Kleinert, einem der besten seines Fachs in Deutschland. Was heißt es, ein Künstler zu sein? Ein echter. Ein Film in schwarz/ weiß, damit er in vielen Farben schillern kann. (MK)

Es ist nur eine Phase, Hase

EINER UNSERER DREI FILME, DIE WITZIG, JA ALBERN SIND UND SELBSTBEWUSST IN KLISCHEES BADEN. HIER GEHT ES UM EIN EHEPAAR IN DER KRISE, EROTISCH GESEHEN, UND DESHALB VIRTUOS SPÄTPUBERTIEREND.

Regie: Florian Gallenberger

Buch: Malte Welding, Florian Gallenberger


mit Christoph Maria Herbst, Christiane

Paul, Jürgen Vogel, Bettina Lamprecht, Peter Jordan, Jytte-Merle Böhrnsen, Ulrich Tukur,

Barbara Philipp, Cordula Stratmann


Deutschland /
Deutsche Originalfassung

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Foto: Majestic/Bernd Spauke

Sie hatte gestern was mit einem Jüngeren, er kann es nicht glauben, fragt seine Freunde, die das aber vor allem witzig finden. (Jürgen Vogel in Hochform!) Weder Hormontabletten noch Antidepressiva helfen weiter – oder bei der jungen Lehrerin seiner Tochter zu übernachten. Dabei ist er ein erfolgreicher Autor und sie Synchronsprecherin für Vorabendserien. Aber das 50. Lebensjahr nähert sich, die Kinder sind größer und bei ihm werden die Haare dünn. (Wenn Sie Christoph Maria Herbst eben noch höchst seriös in unserem Film „Contra“ gesehen haben, werden Sie sich wundern, wie er hier neben Christiane Paul zur Comic-Figur des eigenen Lebens mutiert.) Kein Klischee wird ausgelassen und kein Auge bleibt dabei trocken. Eine Midlife-Crisis-Komödie mit hoher Gag-Dichte und wunderbaren Gastauftritten von Jürgen Vogel, Ulrich Tukur, Barbara Philipp oder Cordula Stratmann. Es geht mitten hinein in die Wunden einer Partnerschaftskrise – aber mit großer Leichtigkeit. Vergessen Sie nicht, mindestens eine Weinschorle ins Kino mitzunehmen. (MK)

Das schwarze Quadrat

EINER DER DREI FILME, DIE WITZIG, FAST ALBERN SIND UND SELBSTBEWUSST VOLLER KLISCHEES.HIER TREFFEN WIR AUF ZWEI HERZHAFT BESCHEUERTE KUNSTDIEBE, DIE AUF EIN KREUZFAHRTSCHIFF GERATEN, WO SIE ALS ELVIS- UND BOWIE-IMITATOREN AUFTRETEN MÜSSEN.

Regie & Buch: Peter Meister


mit Bernhard Schütz,

Jacob Matschenz, Sandra Hüller,

Pheline Roggan, Victoria Trauttmansdorff, 
Christopher Schärf, Wolfgang Packhäuser


Deutschland /
Deutsche Originalfassung

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Foto: Gordon Timpen / Port au Prince Pictures

Die beiden haben – obwohl man sich kaum vorstellen kann, wie das geklappt haben soll – das „Schwarze Quadrat“ von Malewitsch geklaut, zweistelliger Millionenwert. Aber ihr Abnehmer, den sie auf dem Kreuzfahrtschiff treffen wollen, kommt nicht. Stattdessen werden sie mit zwei anderen verwechselt, auf die man schon sehnsüchtig wartet an Bord: den Imitatoren von Elvis Presley und David Bowie, die jeden Abend in der Bar auftreten sollen. „Ihr seid so schlecht, dass es fast schon wieder gut ist“, kommentiert jemand sie, als sie in den Glitzerfummeln notgedrungen – der Tarnung wegen – auf der Bühne stehen. Dann verschwindet das Gemälde und sie machen eine Kopie und dann noch eine. Was nicht so schwer ist und zur Not auch mit zerstoßenen Kaffeebohnen aus der Minibar gelingt. Denn was wäre schon ein echter Malewitsch angesichts dieses doppelt falschen Elvis-Bowie-Duos? Echte Schadenfreude, Slapsticks und derbster Humor und dazu das Frühstücksbuffet eines besonders kitschigen Kreuzfahrtschiffes, ergänzt von einer über Leichen gehenden Kunstliebhaberin … Die Weinschorle nicht vergessen! (MK)

Risiken & Nebenwirkungen

WITZIG, ALBERN UND MUTWILLIG VOLLER KLISCHEES! HIER GEHT ES UM EIN EHEPAAR, DAS ES MIT ECHTEN RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN DER EIGENEN BEZIEHUNG ZU TUN BEKOMMT.
 

Regie & Buch: Michael Kreihsl


mit Inka Friedrich, Samuel Finzi,

Pia Hierzegger, Thomas Mraz


Österreich /
Deutsche Synchronfassung

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Foto: EpoFilm

Der Mann baut Hochhäuser, so phallisch wie möglich und alles andere nimmt er gar nicht wahr. Ja, er hat auch eine Ehefrau, aber das merkt er kaum. Heute allerdings zu seiner Verblüffung schon. Denn sie war gerade beim Arzt und erzählt ihm, dass jemand ihr eine Niere spenden muss, damit sie überleben kann. „Wirklich? Und weißt du jemanden?“, sagt er. „Ja“, sagt sie und jetzt dämmert ihm, dass seine Ehe gefährlich werden könnte. Und wäre das nicht eine echte Zumutung, dass er das macht und seine Gesundheit so aufs Spiel setzt? Nur für sie? Makaber die Sache und das schöne Porträt ausgemachter Lieblosigkeit zwischen zwei Eheleuten. Wenn auch mit großem Wortwitz. Schließlich spielt Samuel Finzi den erfolgsverwöhnten Ehemann in dieser Komödie aus Österreich, und seine schauspielerische Präsenz ist schlicht großartig. Wenn Sie wissen wollen, wie es ausgeht, werden Sie sich wundern. Auf jeden Fall witzig. Ein Film zum vollständigen Abspannen. Und auf jeden Fall so, dass Ihnen die Weinschorle bestens schmecken wird. (MK)

Die Geschichte meiner Frau

DER JUNGE NIEDERLÄNDISCHE SCHIFFSKAPITÄN JAKOB STÖRR SITZT IN EINEM CAFÉ AM HAFEN UND SIEHT SIE DRÜBEN AM ANDEREN TISCH – LIZZY. ES IST WIE IM KINO. DENN ES GEHT UM DIE GROSSE LIEBE – ALSO DIE, DIE MAN NICHT LEBEN KANN.

Buch & Regie: Ildikó Enyedi

 

mit Léa Seydoux, Gijs Naber, Louis

Garrel, Luna Wedler, Josef Hader,

Sergio Rubini, Ulrich Matthes,

Udo Samel, Jasmine Trinca

Ungarn, Deutschland, Frankreich, Italien /
Deutsche Synchronfassung

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Foto: Alamode Film

Eine episch opulente Liebesgeschichte des letzten Jahrhunderts. Ein Film wie ein Traum. „Die Welt ist nicht für uns gemacht“, sagt sie. „Bist Du böse auf mich?“, fragt er sie, dieser bärtige, gutmütige Schiffskapitän wie ein Klischee. Es wäre der reinste Kitsch, wenn diese preisgekrönte Regisseurin aus Ungarn nicht so genial wäre. Wer die Idee einer Frau heiratet, will sie uns sagen, der muss sich nicht wundern, wenn sie nie wirklich da ist und schließlich ganz verschwindet. Und wenn Sie denken, das sei ja wie im Film, dann haben Sie ganz Recht, sagt Ildikó Enyedi augenzwinkernd. „Du bist so grob geworden“, sagt sie zu ihm, der schon wieder zusehen muss, wie sie sich an andere Männer wirft, Femme fatale der 1920er Jahre. Und das alles nur, weil sie ihn so liebt. Und dann treffen sie sich auf der Straße und tun so, als würden sie sich nicht kennen. Er spricht sie an, sie sagt, sie habe schon einen, den sie sehr liebe und natürlich sei sie ihm treu. Und man freut sich über diese Szene (die Filmgeschichte machen wird) wie ein Kind. Kein Film für den, der es eilig hat. Aber ein unvergessenes Abenteuer, wenn man es genießt, lange vor einem guten Gemälde zu stehen, um es endlich wenigstens annähernd, aber bitte nicht ganz zu begreifen. (MK)

Ein Festtag

EIN LEBEN WIE IM ROMAN. JANE ERINNERT SICH. NOSTALGISCH SCHÖNE, POETISCH MELANCHOLISCHE BILDER IM LÄNDLICHEN ENGLAND DER 1920ER JAHRE.

Regie: Eva Husson

Buch: Alice Birch


mit Odessa Young, Josh O’Connor,

Colin Firth, Olivia Colman,

Glenda Jackson, Emma D’Arcy,

Sope Dirisu

Großbritannien /
Deutsche Synchronfassung

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Foto: TOBIS Film GmbH

März 1924. Jane, das Dienstmädchen hat heute frei. Ihre Herrschaften leben in Schwermut, denn die beiden Söhne der Nivens sind auf dem Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs geblieben. Aber heute ist ein guter Tag, ein Festtag, denn der Sohn eines befreundeten Ehepaars der Nivens, Paul, wird heute Verlobung feiern. Jane aber liebt diesen Paul und zum letzten Mal treffen sie sich heute, ganz allein in dem großen Haus. Dann muss er los und Jane wird ihn nie wieder sehen. Aber das weiß sie noch nicht und erkundet selbstvergessen und noch nackt das Haus ihrer Herrschaft, vertieft sich, während die Sonne sinkt, in Joseph Conrad. Ihre Herrschaft ist begeistert, dass ihr Dienstmädchen so gerne liest. Eine Lehre als Buchhändlerin wird folgen, ein neues Glück mit einem Studenten der Philosophie. Aber ihr Herz gehört der Literatur. Hochbetagt empfängt sie schließlich als berühmte Schriftstellerin zum Geburtstag die Journalisten vor ihrem Haus, um schnell wieder hineinzugehen. Sie schaut aus dem Fenster und sieht nur, wie seit Jahrzehnten, immer ihren Paul von damals. Die Kunst und die Liebe sind Geschwister. (MK)

Wie im echten Leben

JULIETTE BINOCHE PUTZT KLOS, MIT HINGABE. SIE IST EINGETAUCHT IN DEN ALLTAG DER PREKÄREN ARBEITSWELT – UND SCHLIESST ECHTE FREUNDSCHAFTEN DORT. ABER ETWAS STIMMT NICHT. UND IN PARIS MACHT MAN SICH SCHON SORGEN, WO SIE GEBLIEBEN IST …

Regie: Emmanuel Carrère

Buch: Emmanuel Carrère,

Hélène Devynck
 

mit Juliette Binoche, Hélène Lambert,

Léa Carne,  Émily Madeleine, Patricia

Prieur, Evelyne Porée, Didier Pupin

Frankreich /
Deutsche Synchronfassung

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Foto: Neue Visionen Filmverleih

Eigentlich ist es ein Ferienparadies an der Küste der Normandie. Aber nicht, wenn man putzen geht auf den Fährschiffen. „Zwei Minuten pro Bett hast du“, sagt Christèle zu ihr, eine junge Mutter mit drei Kindern, die ihr alles beibringt und ihre beste Freundin wird. Im Dunkeln aufstehen, das Schreien der Möwen bei Arbeitsbeginn, dann im Akkord durch die Kabinen – „Manche Menschen

sind echte Ferkel“. Wir sind mitten drin „da unten“ und erleben, wie viel Herzlichkeit und echte Freundschaften zugleich dort herrschen. Aber die Putzfrau Marianne ist nicht echt. Was Sie schon geahnt haben, wenn Juliette Binoche, Inkarnation der französischen Bourgeoisie, diese Rolle spielt. Sie ist, wie dereinst Günter Wallraff, eingetaucht in die prekäre Arbeitswelt, um ihr Gehör zu verschaffen. Nachts schreibt sie, macht ihre Freundin zur Hauptfigur des neuen Romans. Aber verblüfft stellen wir fest: Das geht gar

nicht mehr! Der gute Zweck heiligt nicht mehr diese Mittel, diesen Verrat an den Menschen. „Du bist falsch, du bist weniger als ich, hau ab“, sagt Christèle zu ihr – in einem Filmfinale, das so gro artig ist wie der ganze Film. (MK)

Pettersson und Findus – Findus zieht um

KINDERFILM

Empfehlung: 5 Jahre und älter
(freigegeben ab 0)

 

Regie: Ali Samadi Ahadi
Deutschland


 

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Foto: Wild Bunch Germany 2018

Findus hat beschlossen, jetzt groß zu sein und deshalb will er ausziehen – in eine eigene Hütte draußen vor dem Haus. Seinen Ziehvater Pettersson macht das natürlich traurig. Aber weil er klug ist, spielt er mit bei diesem Emanzipationsbestreben. Bis der kleine und ebenso kluge Findus erkennt: Zu zweit ist es doch schöner als so allein … Der liebenswert inszenierte Film berührt vor allem durch seinen warmherzigen Humor und seinen überbordenden Einfallsreichtum, wozu reichlich Slapstick und viele hübsche Nebengeschichten, etwa um die geheimnisvollen kleinen Mucklas, beitragen.

Sommer-Rebellen

KINDERFILM

Empfehlung: 8 Jahre und älter
(freigegeben ab 6)

 

Regie: Martina Saková
Deutschland, Slowakei

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Foto: Projector23

Schon immer verbringt der 11- jährige Jonas die Sommerferien mit seinem Vater und Großvater beim Rafting und Angeln in seinem slowakischen Heimatdorf. Nach dem Tod des Vaters zieht er mit seiner Mutter nach Deutschland. Als Jonas in den Ferien nicht zum Großvater fahren darf, haut er einfach ab. Ein herzerwärmendes Ferienabenteuer, getragen von einem außergewöhnlich talentierten, kleinen Hauptdarsteller, wunderschönen Bildern und vielen stimmungsvollen Liedern, die man am liebstenmitsingen würde.