Das Programm

Aznavour by Charles

Ein Film voller Chansons von
Charles Aznavour, dem Armenier aus Frankreich, Weltstar ohne Allüren. Aber es ist ein ganz besonderer Film – denn die Bilder sind von ihm selbst, stammen aus sehr privaten Filmaufnahmen über Jahrzehnte hinweg, aus Bildern aus seiner Amateurkamera.

 

Essayfilm von Marc di Domenico, made by Charles Aznavour
 

In franz. Sprache mit dt. Untertiteln

Aznavour By Charles, Foto: 2020 Arsenal

Foto: 2020 Arsenal Filmverleih GmbH

Open Air-Kino
 

21.06.   18.00 Uhr

25.06.  18.00 Uhr

03.07.  15.30 Uhr
 

FSK: ab 0 Jahre

83 Min.

Es ist nicht lange her, dass Charles Aznavour verstarb und er wurde 94. Und sieben Jahrzehnte war seine private Kamera immer bei ihm. Er war 24 als die legendäre Édith Piaf ihm 1948 eine Amateurkamera schenkte und er behielt sie sein Leben lang. Sie war seine Vertraute, wenn er die Welt besuchte, eine neue Geliebte hatte, in den Ferien war. Und er hat notiert, was er mit ihr aufnahm, hat selbst kommentiert, was er erlebte und was ihn beschäftigte. Das Ergebnis ist ein faszinierender „Eigenfilm“, ein persönlicher Essay des Lebens, ein Dokument des Aufstiegs zum Weltstar. Und natürlich ist dieser Film voll Musik, randvoll mit den wunderbaren Chansons von Aznavour, mit denen wir ihn durch die Jahre begleiten. Eine faszinierende Mischung aus der Intimität seiner eigenen Beobachtungen mit den äußeren Bildern vom Musikstar und auch Schauspieler Aznavour breitet sich vor Ihnen aus in diesem deshalb wahrhaft einzigartigen Film, den der Filmemacher Marc di Domenico zu einem höchst cineastischen Werk formte. (MK)

Der Hochzeitsschneider von Athen

Ein poetischer Film über die Zeit, das Leben, über Krise & Glück. Mitten hinein in die beneidenswert bejahende Lebensgrundhaltung der Griechen. Gut für jede Art von Krise –

also gerade optimal.

Regie: Sonia Liza Kenterman
Buch: Sonia Liza Kenterman, Tracy Sunderland

 

mit Dimitris Imellos, Tamila Koulieva, Thanasis Papageorgiou, Stathis Stamoulakatos, Dafni Michopoulou
 

Deutsche Synchronfassung

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Foto: Neue Visionen Filmverleih

Open Air-Kino

 

19.06.   18.00 Uhr

27.06.  18.00 Uhr

03.07.  20.30 Uhr

 

FSK: ab 0 Jahre

100 Min.

Kann man aus der Zeit fallen? – Mit diesem Schneider alter Schule, der mit Stil und Würde Herr einer schwierigen Gegenwart bleiben will, problemlos. Alles zurückstellen auf die Zeit des Handwerks und des geruhsamen bürgerlichen Lebens? Oder ist es nur ein Traum, so ein Hochzeitsschneider zu sein in Athen, jenseits aller industriellen Beschleunigung? Nur griechische Filmautor*innen können so episch und so gelassen erzählen, als hätten sie alle Zeit der Welt. Suchen Sie also ein großartiges Gegenstück zum Action-Film? Hier ist es, ein Film als würden Sie ein paar Wochen ins Kloster gehen, um Ihr Dasein zu begreifen. Denn eigentlich schneidert dieser Schneider das Leben. „Die Zeiten ändern sich. Das haben die Zeiten so an sich“, sagt er. So auch bei ihm: Sanft schiebt sich die Lebensfreude vor die Tristesse – und unverhofft wird das Leben wieder bunt und fröhlich und erfolgreich. Denn wer so lebt wie dieser Held, für den ist das Wirtschaftsleben und das Privatleben eine alte Einheit. Und so erzählt die Regisseurin auch eine kleine Liebesgeschichte. Nach einer Stunde und siebzehn Minuten sitzen die beiden am Meer, mit aller Zeit der Welt natürlich ... (MK)

Der Rosengarten von Madame Vernet

Wollen Sie mal in Blumen und Farben nur so schwelgen? Und mit dieser Madame der Rosen im französischen Burgund ihre „Firma“ retten? Und das mit allen Mitteln?
 

Regie: Pierre Pinaud
Buch: Fadette Drouard, Pierre Pinaud


mit Catherine Frot, Melan Omerta, Fatsah Bouyahmed, Olivia Côte, Marie Petiot, Vincent Dedienne


Deutsche Synchronfassung

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Foto: Neue Visionen Filmverleih

Open Air-Kino

 

27.06.  15.30 Uhr

29.06.  20.30 Uhr

02.07.  20.30 Uhr

04.07.  18.00 Uhr

 

FSK: ab 6 Jahre

94 Min.

Hier im Burgund Frankreichs sind Familienunternehmen heilig. Besonders, wenn seit Jahrzehnten Rosen gezüchtet werden, Madame Vernet also den Gärtnereibetrieb schon vom Vater übernommen hat, seit Kindheit an mit den Rosen lebt. Sie ist eine Rosenkönigin, diese Madame der alten Schule und durchaus raffiniert, wenn auch heimlich. Viel genützt hat das bisher nicht angesichts des Konkurrenten, der als Großproduzent längst den chinesischen Markt beliefert, die umständlichen Verfahren der Veredelung aufgegeben hat, damit die Rosen nicht so lange halten. Madame Vernet ist traurig. Aber sie weiß auch, wie sie da wieder rauskommt. Drei echte Charaktere aus dem Resozialisierungsprogramm stehen vor ihr, sollen bei ihr arbeiten. „Hier riechts nach alten Frauen“, sagt der eine, als sie durch die Plantage gehen, „Ich rieche nichts“, sagt der andere. Bis sie mit Verblüffung erkennen, dass Madame längst erkannt hat, was in ihnen steckt und ein Ding drehen will mit ihnen. In unterschwelliger Ironie der gut gepflegten Landschaft des bürgerlichen Gewerbes, entführt diese unterhaltsame Komödie uns zum Blick hinter die Kulissen aller Art – und das sehr menschlich und wahrlich in Farbe. (MK)

Die schönsten Jahre eines Lebens

Wird im Kino das Leben so kopiert, wie wir es uns immer gewünscht haben? Sind wir auch die Hauptdarsteller*innen unseres Lebens? Eine unsterbliche Liebesgeschichte in einem wahren Meisterwerk der Kinematografie.

Regie & Buch: Claude Lelouch


mit Anouk Aimée, Jean-Louis Trintignant, Souad Amidou, Antoine Sire, Monica Bellucci


Deutsche Synchronfassung

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Foto: 2020 Wild Bunch

Open Air-Kino

 

19.06.  15.30 Uhr

22.06.  20.30 Uhr

27.06.  20.30 Uhr

03.07.  18.00 Uhr

 

FSK: ab 6 Jahre

90 Min.

Chabadabada... Die Filmmusik von „Ein Mann und eine Frau“, mit dem Claude Lelouch 1966 berühmt wurde, Goldene Palme in Cannes, zwei Oscars, kennen viele. Die beiden Hauptdarsteller hat der Film dereinst ebenfalls berühmt gemacht und die ganze „Nouvelle Vague“ hat er mitbegründet. So hatte noch nie jemand zuvor eine Liebesgeschichte erzählt. Sie werden sie wiedersehen, diese Geschichte – gut 50 Jahre später und in der Erinnerung. Denn Jean-Louis (Jean-Louis Trintignant) hockt jetzt im Rollstuhl im Altersheim, dem Ende seines Lebens nah. Er blickt in die Welt von heute und doch nur in sich hinein. Er ist auf Zeitreise, in Fragmenten, die sich verdichten zur Erzählung von damals. Die Poesie dieser Konstruktion ist überwältigend, denn Claude Lelouch ist ein wirklicher Meister darin, das Leben zu erfassen mit den Mitteln des Kinos. Ein halbes Jahrhundert später versinkt er mit seinen Darsteller*innen von damals noch einmal in derselben Liebesgeschichte. Und das ohne jeden Kitsch. Ein Geniestreich, dieser Film! Ein Erlebnis der besonderen Art. „Er hat mich erkannt ohne mich wiederzuerkennen“, sagt Anne (Anouk Aimée). Verpassen Sie dieses Meisterwerk nicht! (MK)

Faking Bullshit! – Krimineller als die Polizei erlaubt!

Nix los hier auf der Wache, auf der sie ihren Dienst schieben – Rocky, Deniz, Hagen und Netti. Bis diese attraktive Dame auftaucht, aber von der übergeordneten Behörde, wegen der schlechten Kriminalstatistik ...


Regie & Buch: Alexander Schubert


mit Bjarne Mädel, Erkan Acar, Sina Tkotsch, Adrian Topol, Sanne Schnapp, Alexander Hörbe, Jörg Schüttauf, Alexander von Glenck, Xenia Assenza


Deutsche Originalfassung

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Foto: 2020 24 Bilder

Open Air-Kino

 

20.06.  20.30 Uhr

25.06.  20.30 Uhr

02.07.  18.00 Uhr

04.07.  15.30 Uhr

 

FSK: ab 12 Jahre

96 Min.

Sie kennen den Regisseur als Schauspieler aus der „heute-Show“ – dies ist seine erste Regiearbeit. Sie ist ein sozusagen Nordrhein-Westfälisches Remake der schwedischen Kultkomödie „Kops“. Bjarne Mädel spielt den Obdachlosen, der sich einspannen lässt. Überhaupt sind die Schauspieler*innen wunderbar in diesem Film. „Anstiftung zu einer Straftat“, sei das ja, sagt Bjarne Mädel alias Klaus den Polizisten, die ihn engagieren wollen. „Genau“, sagen die, „darum geht’s ja – Straftaten sind die Basis unserer Existenz“. Ein Deo-Roller wird geklaut und der Anschlag auf die Würstchenbude muss aufgeklärt werden. Die Polizeiwache hat zu tun. Endlich. Denn andernfalls würde es ihr an den Kragen gehen. Der Film ist gespickt mit Parodien und ironischen Kommentaren. Diese Polizeiwache habe zu wenig Verbrechen zu bieten und das mache sie ineffektiv, sagt die Controllerin von der oberen Polizeibehörde. Da hilft dann nur noch ein spektakulärer Kunstraub ... (MK)

Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra

Ein biografisches Mafia-Epos aus Italien, ein zweieinhalbstündiges Meisterwerk, das bei den Filmfestspielen von Cannes präsentiert wurde und dann 19 Preise gewann. Ein Film, der in die Seele eines Mafiosos eindringt – bis Sie den Helden mögen, den Sie gar nicht mögen dürfen.
 

Regie: Marco Bellocchio
Buch: Marco Bellocchio, Ludovica Rampoldi, Valia Santella, Francesco Piccolo


mit Pierfrancesco Favino,
Maria Fernanda Cândido,
Fabrizio Ferracane, Fausto Russo Alesi, Luigi Lo Cascio


Deutsche Synchronfassung

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Foto: Lia Pasqualino

Open Air-Kino

23.06.  20.30 Uhr

28.06.  20.30 Uhr

01.07.  20.30 Uhr

 

FSK: ab 12 Jahre

153 Min.

Vor 40 Jahren in Sizilien. Familienleben bei der Cosa Nostra. Kampf der Clans um die Macht. Der berühmte Mafia-Boss Tommaso Buscetta steht im Mittelpunkt. Es gab ihn wirklich. Er war es, der für den ebenfalls wirklichen, berühmten Richter Giovanni Falcone zum Kronzeugen gegen die Mafia wurde, mit am Ende 450 Angeklagten in Italien und den USA. Bellocchio erzählt uns, wie es dazu gekommen ist. Verschlungene Familienbande mit mörderischen Qualitäten gilt es kennenzulernen. Dann die Flucht des Helden vor den mörderischen Freunden bis nach Brasilien. Schließlich statt des Selbstmordes die Aussage: Der Prozess, der durch ihn erst möglich wird. Wir sehen die Freunde von damals als Beschuldigte in Käfigen und in Betonbunkern gesichert. Sie können gar nicht glauben, was hier passiert, rauchen grinsend im Gerichtssaal ihre Zigarren. Bis ihnen dämmert, dass sie hier nicht davon kommen könnten. Bellocchio gelingt es meisterhaft, seinen an sich zutiefst negativen Helden zugleich zu einem sympathischen Mann werden zu lassen, so als wäre er als Mafia-Boss der alten Schule doch eigentlich ein grundanständiger Kerl. Und genau diese ambivalente Faszination für den Helden ist der Spiegel, in dem wir erkennen, was die Mafia für viele Süditaliener*innen wohl war oder gar ist – etwas Verwerflich-Geschätztes. (MK)

In Berlin wächst kein Orangenbaum

In Berlin wächst kein Orangenbaum. Das melancholische Gesicht von Ramadan alias Nabil beweist es.
Rauh aber herzlich, im Milieu von Kleinkriminalität, zugleich eine rührende Vater-Tochter-Geschichte.

 

Regie: Kida Khodr Ramadan
Buch: Juri Sternburg, Kida Khodr Ramadan

 

mit Kida Khodr Ramadan,
Emma Drogunova, Anna Schudt und Gastauftritten von Frederick Lau, Stipe Erceg, Tom Schilling, Thorsten Merten u.a.

 

Deutsche Originalfassung

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Foto: 2020 Port au Prince

Open Air-Kino


21.06.  20.30 Uhr

26.06.  15.30 Uhr
01.07.  18.00 Uhr

FSK: ab 12 Jahre

90 Min.

Er ist ein beliebter, preisgekrönter Schauspieler in Deutschland, „4 Blocks“, geboren im Libanon und dies ist sein Regiedebüt, mit ihm selbst in der Hauptrolle – und das als Mörder im Knast. Seit 15 Jahren sitzt er dort und wäre er nicht todkrank, käme er wohl jetzt auch nicht in die Freiheit. Die macht ihn angesichts dieser Prognose verständlicherweise auch nicht glücklich. Aber, um es gleich vorweg zu sagen: uns, die Zuschauer*innen, schon. Denn Nabil wird bei aller Wortkargkeit zu einem zunehmend sympathischen Helden, Vater einer erwachsenen Tochter, die gar nicht weiß, dass er ihr Vater ist und die er gewinnen will. Dies taucht die Geschichte in das warme Licht von Liebe und schließlich sogar Lebensmut, der belohnt wird von einem Schicksal, das es endlich gut meint mit diesem Mann, der in Wahrheit kein Mörder ist. Ein Film über Ehre und Freundschaft, die Heimat Berlin und die Sehnsucht nach dem Süden – und zugleich auch ein Film aus dem Berlin von heute. Ein interessanter Mix aus Gangsterfilm, Coming- of-Age und Einwanderer-Familiendrama. Und am Ende scheint sogar die Sonne. (MK)

Kiss Me Kosher

Ist das kosher, eine Liebe zwischen einer Israelin und einer Deutschen? Und kann der doppelte Tabubruch gut gehen, wenn auch noch die
dazu gehörigen Familien aufeinander treffen? Eine Komödie der kulturellen Annäherung bei leidenschaftlichem Neuanfang.

 

Regie & Buch: Shirel Peleg


mit Moran Rosenblatt, Luise Wolfram, Rivka Michaeli, Juliane Köhler, Bernhard Schütz


Deutsche Originalfassung

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Foto: 2020 X Verleih

Open Air-Kino


18.06.  20.30 Uhr

24.06.  18.00 Uhr

30.06.  18.00 Uhr

FSK: ab 12 Jahre

102 Min.

Eine Deutsche und eine Israelin wollen heiraten. Doppelt schwierig. „We shall remember and never for- get“ steht an der Wand in Israel – und nun soll nur noch Liebe herrschen? Die unkonventionelle jüdische Großmutter Berta ist in diesem Punkt auch ganz strikt und kann sich eine Ehe deutsch-jüdisch, also „mit Hitlers Brut“, nicht vorstellen. Eine turbulente Familienfehde thematisiert, was längst fällig ist und häufig genug auch Realität: trotz der Geschichte neue Brücken zu bauen, und jetzt zugleich auch die der Aufwei- chung der Geschlechterrollen. Denn die beiden Frauen lieben sich eben und haben nicht das geringste Verständnis dafür, dass das nicht ok sein soll. Angesichts des jüngsten Waffengangs in der Region ist es eine besondere Freude, sich an diesem mitreißend charmanten Kitsch eines Liebesfilms der besonderen Art zu erfreuen, einschließlich „Hava Nagila“. Was der Film auch sagt, ist: die Last der Geschichte wiegt entschieden schwerer als die einer nicht ganz normgerechten Sexualität – und er sagt: worüber sich la- chen lässt, das ist auch lösbar. (MK)

May, die dritte Frau

Ein Werk der Sinne und der Sinnlichkeit. Ein historischer Film über eine Frau im Patriarchat des alten Vietnam zwischen Hingabe und Bei-Sich-Sein.

Regie & Buch: Ash Mayfair


mit Nguyen Phuong Tra My, Huong Maya Mai Thu, Tran Nu Yên-Khê, Long Le Vu, Nguyen Hong Chuong, Nguyen Nhu Quynh, Nguyen Thanh Tam, Lam Thanh My, Mai Cát Vi, Khanh An Tang


Deutsche Synchronfassung

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Foto: 2020 jip film

Open Air-Kino

 

19.06.  20.30 Uhr

23.06.  18.00 Uhr

28.06.  18.00 Uhr

 

FSK: ab 12 Jahre

94 Min.

Vietnam am Ende des 19. Jahrhunderts. Die 14-jährige May heiratet den alten Großgrundbesitzer einer Seidenplantage. Das Arrangement soll sie absichern und dem Alten in seiner dritten Ehe noch einen weiteren Erben bescheren. Ein großartiges Porträt dieses feudalen Lebens auf dem Land in engen Re- geln breitet sich vor uns aus. Aber anders als gewöhnlich, verliert dieser Historienfilm sich auch gerne in „Unwichtigem“, in Assoziationen und Impressionen von Natur und Gesellschaft, vom Wechselspiel aus Wunsch und Wirklichkeit, Intension und Erfahrung. So, als wäre dies der einzige Weg dieser Frau gewe- sen, bei sich zu sein und sich zugleich anzupassen. Strategie der Frauen über Jahrhunderte, eine Strategie der inneren Emigration, der Anpassung, die zugleich ein sich Entziehen ist. Das bemerkenswerte Spiel- filmdebüt der Vietnamesin Ash Mayfair, die ihren Blick zurück in die Geschichte ihres Landes hält – frei von der Überheblichkeit des heutigen Besserwissens. Stattdessen möchte sie, dass wir fühlen können, wie es damals gewesen sein muss, auf diese Weise Frau zu sein. (MK)

Mein Liebhaber, der Esel & Ich

Kommen Sie mit auf diese wunderbare Wanderung durch die Cevennen Frankreichs, Wanderung einer Frau zu sich selbst, den Geliebten innerlich zurück lassend, von dem sie dachte, er sei doch so wahnsinnig wichtig ... Ihr Herz gehört nämlich längst Patrick, dem Esel.

Regie & Buch: Caroline Vignal


mit Laure Calamy, Benjamin Lavernhe, Olivia Côte


Deutsche Synchronfassung

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Foto: 2020 capelight pictures

Open Air-Kino

 

20.06.  15.30 Uhr

26.06.  20.30 Uhr

29.06.  18.00 Uhr

04.07.  20.30 Uhr

FSK: ab 6 Jahre

95 Min.

Sie ist Lehrerin und hat große Ferien. Ihr Geliebter sagt, er müsse im Urlaub bei Ehefrau und Tochter sein. Und was jetzt? Sie bucht sich ein auf diesen Jakobsweg der anderen Art, einer tagelangen Wanderung durch die wunderbaren Berge der Cevennen, auf einer Art Selbstbesinnungspfad allein mit einem Esel. Nie hat ein Mann ihr so geduldig zugehört wie dieser. Großartig gespielte, schön unterdrückte Anfälle von Hysterie und Verzweiflung markieren diesen wunderbaren Film einer Frau aus der Frauenperspektive. Wenn auch mit Anklängen an den „männlichsten“ Film überhaupt, den Western. Sie will allein sein, aber der Chor der Mitwanderer, die sie stets nur am Abend beim Essen trifft, ist ihr sicher. Denn längst wissen die alles über sie und ihren Liebhaber, der natürlich rein zufällig mit Frau und Kind auch hier auftaucht. Ein verzweifelt schöner Wanderurlaub vom Sich-Selbst-Finden, endlich frei von dieser Anhänglichkeit an die Männer. Oder lieber doch nicht? Sie übergibt am Ende des Urlaubs den Esel an einen anderen Wanderer. Aber er sieht gut aus, dieser junge Mann und sie geht halt ein paar Schritte mit ... Übrigens zu „Just My Rifle, My Pony and Me“ aus „Rio Bravo“... (MK)

Parfum des Lebens

Wissen Sie, wann Sie an Erdbeeren denken? Kennen Sie die Gerüche in einer Höhle? Und wenn Sie den Regen riechen, sehen Sie ihn dann auch? Ein sehr besonderer Film über die Gerüche des Lebens.
 

Regie & Buch: Grégory Magne


mit Emmanuelle Devos, Grégory Montel, Gustave Kervern, Zélie Rixhon


Deutsche Synchronfassung

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Foto: Happy Entertainment

Open Air-Kino

 

20.06.  18.00 Uhr

24.06.  20.30 Uhr

30.06.  20.30 Uhr

 

FSK: ab 6 Jahre

100 Min.

Sein Privatleben ist schwierig genug, denn er will das Sorgerecht für seine Tochter nicht verlieren. Sein Job sollte nicht zusätzlich Ärger machen. Aber natürlich passiert genau das. Als Chauffeur, angestellt bei einer Mietagentur, bekommt er eine besonders anstrengende Kundin. Kühl und wortkarg macht sie ihn zu ihrem Diener und das auf Dauer. Er kommt nicht von ihr los, aber sie auch nicht von ihm. Und das, obwohl sie einander ziemlich fremde Charaktere sind. Und natürlich wollen wir jetzt wissen, warum das so ist. Aber dieser Film ist anders als Sie denken. Denn er riecht seine Bilder. Er bringt uns dazu, mit der Nase hinter die Geschichte kommen zu wollen. Er möchte uns glauben machen, dass man Gerüche sehen kann. Schließlich ist sie eine Star-Parfumeurin, die Dame mit ihrer kühlen Eleganz – wenn auch eine mit Schwierigkeiten. Denn ihr Geruchssinn ist in der Krise. Und am Ende wird es ausgerechnet der Chauffeur sein, der ihr da heraus hilft. Als hätte er gerochen, was ihr fehlt – und sie bei ihm etwas erkannt, das niemand sonst sehen konnte. (MK)

Sibyl – Therapie zwecklos

Wenn im Film eine Therapeutin in das Seelenleben ihrer Patientin eintaucht, aber zugleich an einem Roman schreibt und obendrein in Dreh- arbeiten eines anderen Filmes gerät, dann kann es schon sein, dass man den Überblick verliert. Wie im wirklichen Leben.

Regie: Justine Triet
Buch: Justine Triet, Arthur Harari

 

mit Virginie Efira, Adèle Exarchopoulos, Sandra Hüller, Gaspard Ulliel,
Laure Calamy

Deutsche Synchronfassung

Sybil – Foto_ 2019 Alamode Film

Foto: 2019 Alamode Film

Open Air-Kino
 

18.06.   18.00 Uhr

22.06.  18.00 Uhr

26.06.  18.00 Uhr

 

FSK: ab 12 Jahre

100 Min.

Die Psychotherapeutin Sibyl hat keine Lust mehr, sich im Seelenleben 

anderer zu verlieren, sie will Schriftstellerin sein. Eine ihrer Patientinnen aber ist hartnäckig. Sie ist Schauspielerin, schwanger von einem Kollegen, der auch ein Verhältnis mit der Regisseurin hat. Sandra Hüller ist diese Regisseurin – Arthouse Regisseurin mit hysterischen Anfällen und einem großartigen Abgang am Ende. Ein Film der kunstvollen Verschiebung von Realitäten: Den Erinnerungen der Hauptfigur, die vielleicht auch nur Wünsche sind, von leidenschaftlichem Sex zum Beispiel. Ihren Erlebnissen, die vielleicht aber auch nur Ideen für den Roman sind, an dem sie schreibt. Selbst die Dreharbeiten auf Stromboli, zu denen die Therapeutin ihre Patientin begleiten muss, sind doch vielleicht auch nur eine schöne Idee – davon, den Film „Stromboli“ von Roberto Rossellini mit Ingrid Bergman und deren Liebesgeschichte noch einmal zu drehen ... Und eigentlich ist es der Film einer Frau, die uns erzählen will, wie viele verschiedene Frauen eine einzige Frau in Wahrheit immer ist. (MK)